Veröffentlicht: 18.12.2010 (Kategorie Allgemeines):

Wenn einer eine Reise tut ...

Normalerweise wollte ich ja gestern nach Hause, aber …

Mit durchaus akzeptabler Verspätung von 30 Minuten bin ich gestern Morgen in Umeå gestartet. Allerdings hätte ich merken müssen, dass es ein anstrengender Tag wird, da ich nach dem Gatewechsel in Stockholm zweimal nicht in die Sicherheitskontrolle gekommen bin. Mein Ticket war dort nicht registriert.

Der Anschlussflug in Stockholm nach Kopenhagen war aber kein Problem, was mich als professionellen Reisenden zur Überzeugung brachte, dass die Heimreise trotz Winterwetter einigermaßen erträglich und pünktlich über die Bühne geht. Unterstützt wurde meine Überzeugung durch die älteren, aber durchaus freundlichen Flugbegleiterinnen der SAS, die im Landeanflug auf Kopenhagen das Anschlussgate nach Berlin verkündet haben und zur Eile beim Umsteigen gemahnt haben. Aber weit gefehlt. Als ich in Kopenhagen angekommen war, blinkte schon auf allen Monitoren das Unwort „canceled“. Da es erst 14:00 Uhr war, bin ich natürlich ruhig geblieben und in der Überzeugung, für den nächsten Flug ein Ticket zu bekommen an den Informationsschalter gegangen. Da machte sich dann doch eine kleine Unruhe in mir breit. Vor lauter gestrandeten Fluggästen war der Informationsschalter kaum zu sehen. Nach guter skandinavischer Sitte habe ich mir eine Nummer gezogen. Ich hatte Nummer 083. Als ich die aufgerufenen Nummern sah, legte sich eine leichte Blässe über mein Gesicht. Es wurde gerade Nummer 297 aufgerufen. Da waren also noch fast 800 Nummern vor mir. Das erklärte mir nun auch die riesige Menschenansammlung. Nach zwei Stunden warten waren wir dann immerhin schon bei Nummer 373. Da waren aber auch schon keine Nummern mehr frei, da alle möglichen 999 Nummern vergeben waren. Also gut, ich prüfte meine Optionen.

Option 1: Warten bis ich dran bin und ggf. Weihnachten in Kopenhagen feiern

Option 2: Hotel buchen und am nächsten Tag mein Glück mit dem Zug versuchen (Auf dem Flughafen waren sie sich nicht sicher, ob am nächsten Tag wieder Flüge gehen).

Option 3: Versuchen, mit dem Nachtzug von Malmö nach Berlin vorzustoßen.

Ich wählte Option 3. Von der SAS habe ich noch ein „Überlebenspacket“ bekommen, um äußerlich nicht ganz die Bindung zur Zivilisation zu verlieren. Schnell zum Automaten ein Ticket nach Malmö gekauft und zum Bahnsteig gegangen. Dort waren fast so viel Menschen wie am Infoschalter von SAS. Ein Blick auf die Anzeigetafeln verriet mir den Grund. Ausfälle und Verspätungen machten die Lage im Eisenbahnverkehr auch etwas unübersichtlich. Aber nach einer halben Stunde kam ein Zug, in dem noch ein paar Leute reinpassten. Nun war ich erst mal im Zug und guten Mutes, schnell nach Malmö zu kommen. Naja, nach einer Stunde war ich auch da. Wenn es nicht läuft, dann läuft es eben nicht.

Ich laufe schnell zum Fahrkartenschalter der SJ um einen Fahrschein für den Nachtzug zu kaufen. Die freundliche Dame erklärte mir, dass der Nachtzug ausgebucht sei und ich daher leider nicht mitfahren kann. Diese Nachricht musste ich erst einmal verdauen. Das habe ich dann im Bahnhofsrestaurant mit einem großen Chiliburger, Bier und einem doppelten Whiskey gemacht.

Frohen Mutes bin ich dann doch zum Zug gegangen, und der freundliche Zugbegleiter meinte nur, ich soll erst mal einsteigen und wir sehen dann weiter. Ok. Im Zug war ich schon mal. Planmäßige Abfahrt 21:31 Uhr. Es wird 22:00 Uhr – der Zug steht noch in Malmö, 22:55 Uhr – Jetzt geht’s endlich los. Für billige 69 € bekomme ich doch noch eine Pritsche im Liegewagen zugewiesen. So langsam macht sich Zufriedenheit breit. Ein Ende meiner Odyssee ist langsam abzusehen. Im Liegewagen ist es mollig warm und die mitreisenden jungen Frauen durchaus nett. Völlig übermüdet komme ich dann mit nur 35 Minuten Verspätung in Berlin an. Dass der Anschlusszug nach Leipzig 50 Minuten Verspätung hat (der beginnt in Berlin-Gesundbrunnen!) kann mich kaum noch stören. Heimat, ich komme.

Ach ja, meinen Koffer habe ich letztmalig gesehen, als ihn das Gepäckband in Umeå verschluckt hat. Machs gut mein treuer Begleiter unzähliger Dienstreisen. Vielleicht kreuzen sich unsere Wege mal wieder, wenn die SAS dich findet.